Killerspiele? Haben wir nicht ganz andere Probleme?

Killerspiele

Da ist sie wieder, die Killerspiele-Debatte. Als ob es noch nicht schlimm genug wäre, dass man gerade jetzt nach den Ereignissen in Würzburg, München und Ansbach traurig und geschockt ist, muss man sich als Spieler (ja, hauptsächliche Killerspiele) auch das wieder anhören. Killerspiele sollen ein maßgeblicher Faktor für Amokläufe sein. Die Debatte, welche 2002 nach dem Amoklauf in Erfurt entstand und mit kleinen Flauten bis heute besteht, brandet nach München wieder richtig auf. Warum?

Während einer Pressekonferenz am Samstag nach dem Amoklauf in München beantwortet Thomas de Maizière die Frage eines Journalisten nach dem Zusammenhang zwischen mangelnder sozialer Integration von jungen Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund mit dem Schlusssatz „[…] und dann – und das zeigen ja auch viele Studien […] aber es ist nicht zu bezweifeln – so war es auch in diesem Fall – dass das unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet auch eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung – gerade junger Menschen hat. Das kann kein vernünftiger Mensch bestreiten.“ (Hier zum selber hören ab ab Minute 19:50).

Mal ganz davon abgesehen, dass auch das Gesagte vor dem Zitat die eigentliche Frage nicht richtig beantwortet, regt sich in mir bei diesen Sätzen direkt Widerstand. Die ersten Dinge die mir durch den Kopf gehen sind hauptsächlich „nicht schon wieder“, „ja aber was ist mit den ganzen anderen Studien“ und „doch das kann ich abstreiten“. Aber ist das auch wirklich so, wenn man mal reflektiert über die Sache nachdenkt? Bin ich vielleicht ein Einzelfall weil ich nach über 20 Jahren exzessiven killerspielens noch nicht durchgedreht bin?

Was zeigen die Studien über Killerspiele?

Das kommt ganz darauf an, was man zeigen möchte. Es gibt für beide Seiten Studien. Ich habe einiges recherchiert und mich dabei auf Publikationen von Universitäten und Fachzeitschriften beschränkt. So hat zum Beispiel die Uni Koblenz in einer Studie herausgefunden, dass es keinen Zusammenhang zwischen aggressivem Verhalten und gewalttätigen Computerspielen gibt. Auch eine Studie aus dem „Journal of Youth and Adolescence“ besagt das. Hier wird sogar hervorgehoben, dass Computerspiele einen ehr positiven, beruhigenden Effekt auf Kinder mit ADHS haben können. Eine weitere Studie der Iowa State University besagt, dass Computerspiele die Empathie der Spieler abmindere.

Wem soll man nun also glauben? Ganz klar beiden Seiten. Denn in meinen Augen kann beides zutreffen. Dann ist aber das Computerspiel nicht der Auslöser, sondern nur eine Katalysator. Warum sollte jemand, der keiner Fliege etwas zu leide tun kann durch das Spielen von bösen Killerspielen direkt Amok laufen? Hier muss es eine Vorgeschichte geben. Und die gab es auch im Fall des Täters aus München. Laut Medienberichten befand es sich seit einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung.

Tausche Maus gegen Pistole

OK, nehmen wir jetzt doch mal eine ganz verrückte These auf. Jemand würde tatsächlich durch das Spielen von Counter Strike dazu überzeugt werden jemanden umzubringen. Das würde diese Person in Deutschland vor nicht ganz unerhebliche Probleme stellen. Wo bekommt er die Waffe her? Mit welchem Geld wird sie bezahlt? Wie benutzt er sie? Es ist ja nicht so als ob wir in unserem Grundgesetz ähnlich Dinge stehen haben wie die Einwohner der USA. Hier darf nicht jeder eine Waffe besitzen und es ist – zum Glück – sehr schwer an eine Waffe zu kommen. Und dadurch wahrscheinlich auch nicht gerade günstig. Das es leider doch funktioniert haben wir in München gesehen. Denn der Täter in München musste sich die Waffe illegal besorgen und hatte nicht wie andere Täter ein Elternteil im Schützenverein. Auch der Umgang mit einer Waffe lässt sich nicht mit dem Klicken der linken Maustaste vergleichen. Sollten der Staat also nicht lieber versuchen Waffenschmuggel zu bekämpfen? Oder dubiose Geldtransfers in großer Höhe? In dieser These sehe ich nämlich nicht das Problem bei Counter Strike.

Warum bin ich noch nicht aggressiv?

Wie oben erwähnt. Ich spiele seit mehr als 20 Jahren Computer, gehe stark auf die 30 zu, bin verheiratet und habe einen guten Job. In all diesen Jahren habe ich keine wirklich aggressiven Spieler erlebt. Auch auf LAN Parties mit bis zu 120 Personen nicht. Und noch mehr: Mir hat das Spielen von Killerspielen im Beruflichen Werdegang sehr geholfen. Denn Killerspiele haben mein Interesse zu Computern und Technik erst geweckt. Bin ich ein Einzelfall? Wohl kaum. Denn gerade die Dinge die von den Medien gerade wie Fremdkörper in Anführungszeichen geschrieben werden wie „TeamSpeak“ oder „Steam“ sind hervorragende Kommunikationskanäle über welche man sehr viele Menschen kennen lernen kann. Ich kenne Spieler die mittlerweile in Beziehungen leben, welche sich über das Killerspiel Counter Strike, oder den Sozialkiller World of Warcraft kennengelernt haben. Viele gute Freundschaften in ganz Europa wurden mir erst möglich durch Killerspiele. Und jetzt soll ich kein vernünftig denkender Mensch sein Herr de Maizière? Vielleicht sollten alle, die jetzt direkt wieder gegen alles Fremde wettern mal die Offenheit, die sie selber fordern auch auf Dinge die nur ihnen fremd sind anwenden. Ich erkläre es euch gerne. Vielleicht hilft das ja.

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