Was bringt das Übertakten der Grafikkarte?

Oft liest man von spezieller Hardware, die sich gut für das Übertakten eignet. Besonders bei Grafikkarten erscheint das als eine gute Möglichkeit. Für weniger Geld ein kleineres Model kaufen und durch Übertakten die Leistung des größeren Models zu erhalten. Doch funktioniert das auch? Lässt sich die Leistung der Karte wirklich linear steigern?

Um eins kurz vorne weg zu nehmen: Bis zu einem gewissen Maße funktioniert das. Aber es birgt Risiken. Und das bis dahin, dass die gesamt Karte zerstört wird. Und daher gilt auch hier:

Ich empfehle niemandem das Übertakten von jedweder Hardware und übernehme keine Haftung, falls es doch jemand versucht.

In der Theorie

Jede Grafikkarte kommt zunächst einmal im Referenzdesign des Herstellers auf den Markt. Man kann die gleiche Karte aber auch von Drittanbietern kaufen. Diese unterscheiden sich dann in der Kühltechnik, den Taktraten und der Qualität der eingesetzten Komponenten. So verbauen zum Beispiel manche Hersteller bessere Komponenten in der Spannungsversorgung um Spulenfiepen zu minimieren. Aber der wichtigste Aspekt für diesen Text ist natürlich die Taktrate. Die meisten Drittanbieter erhöhen werksseitig die Taktrate um ihre Karte schneller auszuliefern als das Referenzmodell. Und genau das werden wir hier auch am Beispiel einer MSI GeForce GTX 970 Gaming 4G durchspielen.

Die GTX 970 im Referenzdesign kommt mit einem Boost Tackt von 1178 MHz. Die MSI GTX 970 Gaming 4G wird werksseitig mit einem Boost Takt von 1279 MHz ausgeliefert. Meine Version hatte allerdings ab Werk einen Boost Takt von 1316 MHz. Also werde ich diese Zahl als Basis ansetzen. Das Szenario sieht dann so aus, dass ich mit Afterburner  die Taktraten ändere und jedes mal den synthetischen Benchmark 3DMark Firestrike durchlaufen lasse. Und dann bin ich direkt auf ein Problem gestoßen. Ich konnte den Takt der Karte nicht um mehr als 50 MHz anheben, ohne dass sie instabil wurde und der Benchmark abgebrochen werden musste. Nur am Rande bemerkt, die Karte ist schon vorher 11,7% schneller getaktet als die Referenzkarte. Das sollte aber kein Problem sein, denn ich habe den Benchmark daraufhin einfach „nach unten“ durchgeführt. Ich habe als die Taktraten immer weiter gesenkt und dabei die Messungen vorgenommen.

Das Testsystem

Alle Tests wurden mit folgendem System vorgenommen:

CPU: i7 4770K @ 3.9 GHz
Mainboard: ASUS Maximus VI Hero LGA1150
RAM: 8 GB G.Skill 1600 CL9
GPU: MSI GTX 970 Gaming 4G

Es wurden neben denen der Grafikkarte keine Taktraten verändert und die Benchmarks wurden am Stück durchgeführt.

Benchmarks

Das Untertakten der Karte verlief ohne Probleme und lieferte wie erwartet ein fast lineares Absinken der Ergebnisse. Die Temperaturen blieben fast stabil und haben sich nur um jeweils ein Grad nach oben und unten mit bewegt. Alle Ergebnisse können der Tabelle und den Graphen entnommen werden.

Übertakten der Grafikkarte - Benchmarks

Leider kann man hier in den Graphen die untertakteten Ergebnisse nicht direkt mit denen der übertakteten Karte vergleichen, da die Schritte durch die Instabilität kleiner gewählt werden mussten. Daher würde ich gerne nochmal aufzeigen, wie sich das Übertakten im Score pro Hertz niederschlägt. Also wie viele Punkte im Benchmark pro eingesetztem Takt erzeugt wurden.

Score_per_Clock

Hier wird deutlich, was sich in der ersten Grafik nur andeutet. Die Karte wird nicht linear mit mehr Takt schneller. Eigentlich ist sie mit dem ab Werk eingestellt Takt schon nicht mehr so effizient wie das Referenzdesign. Absolut gesehen ist sie natürlich schneller. Jedoch sinkt dieser Geschwindigkeitszuwachs je höher man die Karte taktet. Auch ist die Grenze oftmals, wie in meinem Fall, schnell erreicht. Hier kann man Glück haben und eine Karte erwischen, die sich mehr Übertakten lässt, aber auch Pech. Das einzige was der Hersteller zusichert, ist die Funktion im Betrieb mit den Werksseitig eingestellten Taktraten. Man könnte auch aus meiner Karte wohl noch mehr herausholen, aber dafür müsste ich die Kernspannung anheben. Und das werde ich erst nutzen, wenn ich in mal keine zufriedenstellenden Ergebnisse mit der Karte erhalte.

Fazit – Lohnt sich das Übertakten

Wie eingangs erwähnt, ja. Aber nur zu einem gewissen Maß. Natürlich kann man versuchen mit einer GTX 970 die Leistung einer GTX 980 zu erreichen, allerdings muss man bedenken, dass eine GTX 980 sowohl mit besserer Hardware ausgestattet ist als auch selber wieder Übertaktet werden kann. Die Idee, sich also eine schwächere Karte zu kaufen und die Leistung einer besseren zu erreichen ist machbar, aber mit Risiken und Aufwand verbunden. Auch steigt der Stromverbrauch und die erwartete Lebensdauer der Karte kann bei extremen Werten sinken. Alles in Allem überwiegen für mich die Nachteile und ich würde bei dem Wunsch nach mehr Leistung auf das größere Modell verweisen.

 

Introimage: Christian Prade CC

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